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Harburger Radsport Gemeinschaft v. 1951 e. V.

Bericht vom Pfingstwochenende in Dnemark

Und ehe man sich versieht ist schon wieder ein Jahr rum. Die Saison ist im vollem Gange und die bereits bekannten Rennen in Dänemark Silkeborg, Viborg und Hammel stehen wieder vor der Tür. Die Dänen ärgern uns schließlich auch am Anfang des Jahres, wenn wir alle noch gar nicht richtig fit sind, also gilt es zurück zu schlagen.
Freitag wurde bei Feinkost Albrecht alles zur Verköstigung der hungrigen Radsportler von Tobi und Christopher besorgt. Es stellte sich als große Herausforderung heraus, den Inhalt von zwei völlig überfüllten Einkaufswagen zu zweit auf das Laufband der Kassiererin zu wuchten und am anderen Ende alles wieder einzupacken. Vor allem, wenn der eine noch am Aufladen der Lebensmittel auf das Laufband ist und der andere beim Einpacken nach der Kasse feststellt, dass der Einkaufwagen schon wegen Überfüllung geschlossen ist. Aber das haben die beiden mit Bravour gemeistert auch wenn andere Kunden nervös und augenrollend daneben standen, da leider nur diese eine Kasse geöffnet war.

 
Einige Augenblicke später, einen Einkaufszettel, der so lang war wie ein Wunschzettel eines Fünfjährigen zu Weihnachten und 200,-€ weniger im Portemonnaie wurde bei strahlendem Sonnenschein der Bus vor dem altbekannten Treffpunkt beim Bäcker gepackt. Kurz darauf fuhren sieben motivierte Radsportler und ein Betreuer mit Gepäck gen Norden ins Land von Pølser und Smørrebrød.

 
Die Fahrt zur Unterkunft war ohne Staus und angenehm. Familie Schäfer fuhr mit ihrem Privatwagen ebenfalls nach Silkeborg. Als wir diese aus dem Vereinsbus auf der Autobahn vor uns erblickten, waren Christopher und Jan so freudig erregt, dass sie die Schäfers mit ihren entblößten Allerwertesten an der Fensterscheibe begrüßen mussten. Leider war es aufgrund von akuten Lachkrämpfen nicht möglich, hiervon Beweisfotos zu schießen. Glück gehabt.
Im diesem Jahr – ist ja schließlich nicht wie bei armen Leuten – wurde ein Ferienhaus gemietet und dankend auf eine Jugendherberge verzichtet. Nachdem wir den Schlüssel abgeholt haben sind wir direkt dorthin. Das Ergebnis: ernüchternd. Zwischen „Hauptstraße“ und Haus lag ein etwa 2km langer Schotterweg. Nicht so schön für die Laufräder.
Beim Haus, das angeblich für neun Personen ausgelegt war, musste man die Schlafplätze schon akribisch suchen. Auch wenn wir 12 Personen waren,  „Haus für neun Personen“ war schon sehr großzügig von den Vermietern kalkuliert. Aber das war für uns kein Problem. Kurzerhand wurde das Obergeschoss eine durchgängige Liegewiese mit Luftmatratzen umfunktioniert.
Am nächsten Morgen musste ich bloß über einen verschlafenen Tobi und einen schnarchenden Jannis steigen, um ins Badezimmer zu gelangen. Deswegen war ich freiwillig früher aufgestanden. Für 12 Personen gab es nämlich nur ein Bad. Nachdem sich alle mehr oder weniger frisch gemacht hatten, wurde gemeinsam gefrühstückt und zum ersten Rennen nach Silkeborg gefahren. In weiser Voraussicht habe ich mich selbstverständlich mit reichlich Sonnencreme eingecremt, denn der Wetterbericht versprach mir bereits schönstes Sommerwetter bei 25C°, auch wenn es noch nicht ganz danach aussah.
In Silkeborg angekommen dauerte es nicht mehr lange, dass wir alle auf der Strecke waren. Für alle ein langes Straßenrennen, 35km Runde, 3 Mal rum macht summa summarum 105km. Außer für unsere Jugend, die mussten nur zwei Mal und Brandon hatte eine andere Runde, 44km. Das Wetter war mittlerweile bombastisch.
Beim Mädelsrennen gab es gleich die erste Attacke beim Start, das versprach ja nett zu werden! Aber ich kam sehr gut klar, auch wenn man sich wieder an die etwas andere Fahrweise der Skandinavier erst gewöhnen muss. Das Feld ist sehr dynamisch. Wenn man zwei Sekunden nicht aufpasst, ist man ganz hinten. Und wie immer ist das Kurvenfahren eine Sache für sich. Mittlerweile habe ich das Geheimnis entlüftet: Wir Deutschen fahren brav parallel zum Kantstein um die Kurve, die Dänen (und Schweden, Norweger) schneiden die Kurve, egal wer davor oder dahinter ist. Das musste ich am eigenen Leib spüren als ich in einer Kurve nach Innen abgedrängt worden bin und in weichem Sand ganz einfach zur Seite umplumste! Aber aufgrund meiner ersten Crosserfahrungen im vergangenem Winter konnte ich schnell auf mein Rad aufspringen und wieder an das Feld heranfahren. Merke: das nächste Mal weiter Außen fahren.

 
Die Strecke war wie bereits bekannt leicht hügelig und windig. In der Mitte der zweiten Runde war es dann soweit: Leider sind sich bergauf drei Fahrerinnen aus Schweden nicht ganz einig gewesen, wo wer hinfährt, sodass alle drei zu Boden fielen und die gesamte Straße blockierten. Meine einzige Möglichkeit: Über die Schwedin drüber. Ich habe zwar versucht noch zu bremsen, aber leider ließ es sich nicht vermeiden, elegant über den Lenker abzusteigen. Ich wollte sofort weiter, war aber von dem „Geheule“ – muss man schon fast sagen – von den Mädels so irritiert, dass ich sie fast trösten wollte, mich aber dann doch dagegen entschied und weiterfuhr. Nur leider hatte ich noch das große Blatt drauf, musste erst runter schalten und das Feld war weg… Von Hinten kam dann eine kleine Gruppe, die bereits zuvor in einem Sturz verwickelt war, mit denen ich dann weiter fuhr. Anscheinend gab es im vorderem Feld eine akute Tempoverschärfung, da wir nach und nach immer mehr abgesprengte Fahrerinnen auflasen, sodass wir bald wieder ein gutes Feld von 20 Mädels waren.
Ich war glücklich, dass wir bald zum letztem mal durchs Ziel fuhren, denn da wartete das Buffet (Dänisch für Verpflegung) auf uns. Bei den heißen Temperaturen war mein Gesöff schon lange alle und als ich diese neue, frische, aus der Kühltasche eiskalte Flasche in meiner Hand spürte war ich so glücklich… als mal wieder eine Schwedin (!!!) sich doch kurz vor mir entschloss, doch noch eine Flasche von ihrem Betreuer anzunehmen und mich so schnitt, dass ich die Wahl hatte zwischen: zweiter Sturz aber sitt (um das schöne neudeutsche Wort (das übrigens vom Word- Wörterbuch nicht bekannt ist!!!) zu benutzen – bedeutet übrigens ‚nicht mehr durstig‘) oder mit ausgedörrter Kehle weiter zu fahren.  Ich entschied mich für letzteres und untermalte es mit lautstarken Flüchen. Für das nächste Jahr muss ich unbedingt Schwedische Schimpfwörter lernen.
Eine deutsche Kollegin aus Kiel, Jenny Hinrichsen war mitfühlend und gab mir eine Flasche von sich, die noch halbvoll war. Dafür werde ich ihr ewig dankbar sein! Für die letzte Runde war das ausreichend. Beim Zieleinlauf konnte ich den Spurt aus dem zweiten Hauptfeld gewinnen und wurde 28. (Es gab übrigens wieder ein schönes Rosa Führungstrikot!)

 
Helmut el Toro Carstensen fühlte sich auf der Strecke wohl. Bergiges Gelände scheint ihm zu liegen. Sprinten aber irgendwie auch??? Beim Zieleinlauf kam er an 30. Position um die Kurve und wurde noch 12ter. Unglaublich! Dafür gab es sogar noch eine Prämie, die Helmut prompt in eine frische Cola investierte.
Lucas H. meisterte sein erstes Rennen in Dänemark sehr gut und kam in der C-Klasse auf Platz 44. Jan hatte gerade mal 14 Plätze nach vorne zum Sieg und bekam für seinen 15. Platz ebenfalls noch Prämiengeld. Alle restlichen Radfahrer zogen es vor, sich dann lieber schöne Streifen an den Armen und Beinen zuzulegen indem sie sich am Rand in der Mittagssonne bruzzelten.
Da wieder lange Wartezeiten an der Badezimmertür drohten, entschieden sich einige zum nahegelegenem See (ha, ha!) zu fahren und sich dort die Erfrischung abzuholen. Die restlichen brachten den Grill für das Abendessen zum Laufen. Was nicht so laufen wollte, wie wir alle gerne gehabt hätten war die Satellitenschüssel und deren Empfang. Irgendwie wollte kein Satellit im Umkreis von 300 Lichtjahren über Dänemark irgendeinen Sender hergeben, der das Championsleague Finale zeigte. So starrten alle gebannt auf den Videotext, der sich nur zwei Mal veränderte. 0:1 und 0:2. Das war wohl nix.

 
Am nächsten Tag gab es nicht gewohnt das Straßenrennen in Viborg sondern ein Zeitfahren. Brandon hatte sehr früh um 9 Uhr Start und ich musste gemäß der vortägigen Ergebnisliste um 16:30 starten. Die restlichen Rennfahrer schenkten sich das und fuhren stattdessen die Rennstrecke von Hammel ab.
Brandon fuhr die wellige und windige 15 km Strecke in guten 26 Minuten und wurde 23ter. Ich kassierte weitere sechs Minuten auf der 25km langen Strecke zum Rosa Trikot und wurde 33. Als ich auf das Podium schaute und dort eine Norwegerin mit Regenbogenstreifen an Armen und Kragen sah, wusste ich warum. Die Vortagessiegerin gewann hier auch wieder souverän.
Abends gab es, wie es sich für anständige Radsportler gehört, Pasta mit Bolognese, von Tobi gezaubert und dazu eine Diskussion über die Rennstrecke für den darauffolgenden Tag. Ich ging aufgrund akuter Erschöpfung sehr früh zu Bett, der Rest genoss die Nacht noch bei loderndem Lagerfeuer.
Der nächste Tag begann nicht wirklich vielversprechend. Es regnete. Und wie. Ich musste nur an die schöne Abfahrt denken, bei der man gerne über 70 Sachen drauf bekommt und wie rutschig diese wohl sein wird. Hektisch musste der Bus gepackt werden, da wir direkt nach dem Rennen nach Hause fahren wollten. Bis auf Brandon, der den gefürchteten Berg nicht erklimmen musste und stattdessen sich auf einer 42km langen Strecke begnügte, fuhren wir alle die allseits bekannte Runde drei Mal. Drei Mal diesen Berg hoch. Ich zitiere Susi Plambeck aus dem letzten Jahr immer gerne wieder: „Wo die Zuschauer dir beim Sterben zusehen“. Passt einfach.
Im Frauenfeld dauerte es keine fünf Kilometer bis sich die ersten verbremsten und die ersten Hinterräder ausbrachen und durch die Gegend schlidderten. Bei der bereits erwähnten Abfahrt schaffte es wieder ein Mädchen mit einem gelben Kreuz auf blauem Grund auf der Brust zu stürzen. Das war der Moment, an dem ich mir das Ganze dann freiwillig ein wenig weiter von Hinten ansah. Ich hatte immer Begleitung, zum Schluss nur noch zwei Mädels. Wir sind die ganze Zeit gekreiselt, ich frage mich bis heute, ob das zu Dritt wirklich sinnvoll ist. Ich beendete das Rennen auf Platz 22. Wieder gewann Jennie Stenerhag, die bereits beide Etappen zuvor für sich entscheiden konnte und somit auch die ganze Rundfahrt.
Helmut macht seinem Spitznamen „el Toro“ alle Ehre und fuhr nur zwei Minuten nach dem Sieger als 23. Ins Ziel. Jannis fuhr wenige Minuten dahinter als 28 über den Zielstrich. Bei den Junioren wurde Jan 35 und Lucas H. bei der C-Klasse 28ter.
Alles in allem war es ein sehr gelungenes und Spaßiges Wochenende und wird bestimmt im nächsten Jahr wiederholt.

Written by Ines Hinrichs




Veröffentlicht am:
03:05:00 26.05.2010

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