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Harburger Radsport Gemeinschaft v. 1951 e. V.

Zwischen Stoer und NOK

Eine Permanente des RV Altona

Wolfgang sprach mich beim Vereinstraining an, ob ich nicht Lust hätte, mit ihm Currywurst essen zu fahren. Da gäbe es eine Permanente, bei der man an einem Kontrollpunkt mit einer leckeren Currywurst Pause machen könnte. Für eine Permanente müsse man aber die ungewöhnlich lange Strecke von 92 km fahren. Die Gegend sei jedoch flach und die Currywurst! Bin in diesem Jahr noch keine so lange Strecke mit dem Rennrad gefahren. Aber schließlich würden wir sie ja nicht in einem Rutsch durchfahren, gäbe es ja eine Pause. Und eine Currywurst. Kurz, ich verabredete mich mit ihm.

Am Donnerstag ging es los. Als ich mein Trikot überzog, fiel mein Handy raus und zerlegte sich in drei Teile. Konnte es mit Renates Hilfe aber wieder zusammensetzen. Glücklicherweise ist sie geduldiger, als ich es bin.

Wolfgang holte mich mit dem Auto ab und gemeinsam ging es nach Itzehoe. Als wir dort bei Burger King ankamen, fiel ab und zu ein Tropfen. Kam mir bekannt vor. Der Geschäftsführer meinte: „Wollt ihr wirklich fahren?“ Ich hatte sicherheitshalber Gamaschen angezogen und meine Windjacke dabei. Also klar, wir wollten. Auch, dass er keine Streckenzettel mehr hatte, konnte uns davon nicht abhalten.

Die Strecke führte überwiegend auf kleinen Nebenstraßen durch eine sehr ansprechende Landschaft: viele Felder sowie Wiesen, kleine Waldstücke und einige Dörfer. Vor allem ist sie ziemlich flach. Kam mir angesichts der Länge sehr entgegen. Fuhren ziemlich flott.

Wie schon bemerkt, es ging durch eine flache Landschaft. Aber auch die hatte Bahnübergänge und je länger wir fuhren, umso steiler kamen diese mir vor. Aber die Currywurst lockte und wir waren inzwischen auch schon so um die 40 km gefahren. Noch konnte ich mich mit Wolfgang einigermaßen unterhalten, soweit das bei dem Fahrtwind möglich war. Ab Kilometer 50 wurden meine Beiträge allerdings schon etwas spärlicher, beschränkten sich darauf, Wolfgang zu antworten, jedenfalls soweit wie ich ihn verstand. Kilometer 55, wo bleibt die Currywurst!

Endlich erreichten wir den Nord-Ost-See Kanal. Hier sollte sie sein. Wurde auch Zeit, schließlich waren wir schon 60 km gefahren, ohne eine Pause gemacht zu haben. Sieht man von der Fährüberquerung des Kanals ab und den wenigen kurzen Stopps, wenn Wolfgang sich mit seinem Navi bezüglich der weiteren Route verständigte.

Oben auf der Brücke hielten wir Ausschau nach dem Currywurststand. Zum Glück war unten am Wasser nichts zu sehen. Also runter- und dann wieder raufzufahren? Dann muss die Wurst wirklich ein Hochgenuss sein.

Sie war auf der anderen Seite der Brücke. Aber GESCHLOSSEN! NICHTS DA MIT CURRYWURST! Wobei, ganz ehrlich, mein Verlangen nach Trinkbarem die Currywurst ein wenig in den Hintergrund gedrängt hatte. Unterwegs hatte es nicht geregnet. Im Gegenteil, die Sonne war herausgekommen. Ich war ziemlich ins Schwitzen gekommen und hatte leider nur die kleine Wasserflasche mitgenommen. Da wo es Currywurst gibt, wird es bestimmt auch etwas zum Trinken geben.

AUCH NICHTS DA MIT PAUSE! Jammern hilft ja nichts, also weiter. Es wird sich schon auf der Route eine andere Möglichkeit ergeben.

In jedem Ort hielten wir nach einem Bäcker, einem Kiosk oder Supermarkt Ausschau. Vergeblich. Wolfgang beriet sich mit seinem Smartphone. Aber so smart es auch ist, es fand nur „Verpflegungsstationen“ abseits unsrerer Route. Gut, die Oberschenkel und die Schultern schmerzten, der Durst wurde immer drängender, der Wasserrest in der Flasche kleiner, aber einen Umweg fahren? Fünf bis acht Kilometer zusätzlich? Das kam nicht infrage. Schließlich lagen noch so um die 30 Kilometer vor uns.

Je weiter es ging, umso mehr wurde mir klar, warum der erste Teil unserer Tour sich so flott fuhr. Natürlich, da war ich noch frisch, waren die Bahnübergänge auch nicht so steil. Vor allem aber hatten wir da außer dem Fahrt- keinen Gegenwind.

Allmählich setzte sich ein Gedanke fest: WARUM TUE ICH MIR DAS AN? Ich könnte doch gemütlich zu Hause sitzen, lesen oder einen Western gucken. Und wenn schon Rennrad, die kleine Trainingsrunde, das Dienstags Training, die tuen es doch auch! Also die Verabredung mit Bernd am Sonntag, unsere Geesthachter Permanente zu fahren, die sage ich auf jeden Fall ab!

Wolfgang weit vor mir, ich im „Schneckentempo“ dahinter. Auch das Ortsschild „Itzehoe“ konnte mir keine „Flügel“ verleihen. Zu Recht, mussten wir doch noch eine ganze Strecke durch den Ort fahren.

Endlich, Burger King. Was zum Trinken bestellt, unsere Wertungskarten abstempeln lassen und gegenüber bei der Grillstation eine Currywurst gegessen. „Wolfgang, wie ist das mit dir am Sonntag? Bernd und ich wollen die Permanente nach Geesthacht fahren. Hast du Lust, mitzukommen?“

norbert klecka  7.6.2016


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