Harburger RG v. 1951 e.V. - erfolgreicher Radsport in Hamburg-Harburg



VELO Hamburg

Es folgt ein persönlicher Bericht von Eric S. von der neuen und erstmaligen Ausführung der "VELO Hamburg", einer neuen Fahrradmesse in den Rinderhallen in Hamburg, 13./14.05.20174


Impressionen der VELO Hamburg


Seit längerer Zeit knobel' ich nun schon, dass gemäß n+1-Regel – die richtige Anzahl von Rädern die es zu besitzen gilt ist n+1 – noch ein Alltagsrad her muss.

Schwarz soll es sein, ist aber kein Muss. Wartungsarm mit Nabenschaltung. Robust. Federgabel brauch ich nicht. Scheibenbremse wäre toll. Feste Schutzbleche für schlechtes Wetter. Gepäckträger für Taschen. Beleuchtung darf gerne hochwertiger sein, vielleicht SON oder Supernova. Riemenantrieb statt Kette? Hmm, hat Vor- und Nachteile. Und natürlich sollte alles preislich im Rahmen bleiben.

So fieberte ich doch recht gespannt auf die VELO Hamburg hin. Hey, eine Fahrradmesse in der Rindermarkthalle. Wie cool ist das denn!? Wenn man da nichts findet, dann nirgendwo.



Bilder alle von der offiziellen Seite der VELO Hamburg.

Samstag also die Freundin ins Gepäck und rein in die Bahn zur U Feldstrasse. Das Wetter draußen? Schwül, drückend, mit Aussicht auf Regen. Die Uhr zeigt 11:30. „Oh man, hoffentlich ist da jetzt nicht so viel los. Aber sicher sind da viele Hipster….Deine besten „Freunde““ höre ich meine bessere Hälfte neben mir sagen. Ich komme ins Grübeln.

Als wir ankommen, schlägt’s gerade 12. Zum Glück keine Schlange an der Kasse, denke ich mir. Also fix zwei Eintrittskarten gekauft, die uns in Form von Bändern an die Handgelenke geklebt werden. 6€ pro Erwachsener finde ich human.

Die Messe verteilt sich auf zwei Bereiche.

Open Air, also draußen, sticht direkt der Stand von Radsport von Hacht allein durch seine Dimensionen ins Auge. Hier gibt es alle aktuellen Stevens-Rennräder zu bestaunen, u.a. präsentiert von der Hamburger Cyclocross-Prominenz.

Vorbei an kleineren Ständen sehe ich Bergamont. „Die kommen hier aus Hamburg. Lass uns da mal schauen.“ bitte ich meine Freundin. „Oh, schau mal hier rechts, Vintage Bikes…“ Le Vélo aus Eppendorf präsentiert sich gekonnt und doch dezent. Kaffee gibt’s da…und richtig alte Räder, die professionell restauriert wurden. Auf jeden Fall etwas für’s Auge. Wie gerne würde ich mal eins davon fahren, allein um zu wissen, wie Ur-Opa sich damals fühlte. So ganz ohne Carbon, ohne 2x11-fach Schaltung.

Wir wenden uns wieder Bergamont zu. E-Bikes. Noch und nöcher. Schade, leider nichts aus dem Urban-Portfolio. Weiter.

Ich erblicke einen Infostand der Mecklenburger Seen Runde. Stimmt, die möchte ich ja auch noch in Angriff nehmen, denke ich mir.

Über eine Rampe, die einem Baugerüst ähnelt, kraxeln wir in den Innenbereich, das sogenannte „Deck“. Tatsächlich befindet sich der Großteil der Aussteller auf dem Parkdeck der Rindermarkthalle.


Blick von oben nach unten.


Direkt nach der Rampe, POLIZEI! Die Fahrradstaffel der Polizei Hamburg informiert hier über Verkehrssicherheit, Fahrradcodierung und steht für allerlei Fragen zur Verfügung.

Wir halten uns rechts, kommen an VAUDE vorbei, die gefühlt das komplette Programm an Fahrradtaschen ausstellen.

Aber ich suche doch ein Alltagsrad. Wo sind die Räder?! Hier links? E-Bikes. Dahinten? E-Bikes von Stromer.

Oh, Riese + Müller. Die haben doch immer so hochwertige Reise- und Trekkingräder gebaut…..mittlerweile E-Bikes. Aber das gute, alte Birdy gibt es immer noch.

Und was ist da? Cargo-Bikes…sogar mit Elektromotor. Zwischen den Lastenrädern wuseln junge Familien mit Kleinkindern umher. Überall. Um die E-Bikes drängen sich die gesitteten Jahrgänge.

Ok. Immer ruhig bleiben. Wir sind noch lange nicht durch gelaufen, denk ich mir.

my Boo zeigt Räder mit Rahmen aus Bambus, hergestellt in Ghana und endmontiert in Deutschland. Tolle Idee, nachhaltig.

Unmittelbar dahinter ein gemeinsamer Stand von Bullitt, Bike43 und Velo 54. Super, die Jungs aus meiner Wilhelmsburger Hood sind also auch da. Mir stechen sofort die Bikes von tout terrain ins Auge. Eigentlich genau das was ich suche. Aber nichts für meinen Geldbeutel. Schweren Herzens gehen wir weiter.

Wo kommt die laute Musik her? Ah, von Retrovelo. Die charmante Manufaktur aus Leipzig beschallt das Deck mit dem Schallplattenspielerfahrrad. Daneben die Retrovelos. Chic, klassisch, aber mit moderner Technik. Ich fange an zu fachsimpeln: „Guck mal, Riemenantrieb, Nabenschaltung, Scheibenbremse, gemuffter Stahlrahmen, geile Farbe…“

Der Mann hinter den Plattenspielern wird auf uns aufmerksam, und begrüßt uns mit feinstem, sächsischen Akzent: „Kann isch was füor eusch tün?“ Ich überlege kurz mit meinem Talent, Dialekte zu imitieren, zu glänzen. Meine Freundin kommt mir zuvor: „Ja, was kostet denn dieses Rad?“

In Ruhe erklärt er uns die Konfigurationsmöglichkeiten, die Retrovelo seinen Kunden bietet. Zwei Laufradgrößen stehen zur Auswahl, 26“ oder 28“. Danach kommt der Rahmen, klassisch oder modern. Farbe? Nach Wahl! Sattel? Brooks! Antrieb? Was Du möchtest!!!

Ich erhasche einen Blick auf die Preisliste, die der Herr noch in Händen hält. Dort sehe ich eine vierstellige Zahl, die Erste eine 1. Ok. Für ein Rad nach Wunsch nicht teuer, aber entsprechend den möglichen Optionen kann aus der 1 auch schnell eine 3 werden.

Wir bedanken uns und gehen weiter. Die Richtung, in die die Lautsprecher der Musikanlage wirken, ist die des Spezialrad-Testparcours. Tatsächlich können alle auf der Messe ausgestellten Räder getestet und Probe gefahren werden. Auf dem Deck die Lasten- und Spezialräder, draußen auf einem gesonderten Parcours alle Anderen. Die Zufahrt zum außenliegenden Parcours geschieht über die Pkw-Rampe. Damit es keine Kollisionen zwischen den motivierten Testfahrern gibt, regelt eine Ampelschaltung den Vorrang.

Vorbei an weiteren Cargo-Bikes, ja sogar einem Cargo-Dreirad, entdecken wir die Bühne vom Radiosender HHzwei. Dort hält eine junge Frau gerade einen Vortrag über…das was? Berliner Fahrradgesetz? Das hören wir uns an.

Sie spricht davon, wie sicherer man die Berliner Radwege machen möchte, dass man die Anzahl der Verkehrstoten auf Null reduzieren möchte und generell den Fahrradverkehr stärken sollte. Und siehe da, die Initiatoren des Rad-Volksentscheids haben es in Berlin geschafft, den Senat von einem Fahrradgesetz zu überzeugen, dass den Ausbau der Infrastruktur für Radfahrer regelt.

Warum geht sowas in Hamburg nicht? Moment mal, ein junger Mann ergreift das Wort, und berichtet, dass in Hamburg ähnliches passieren wird. Sinngemäß sein Satz des Tages: „Die Stadt gibt Milliarden für einen Deckel auf der A7 aus, aber nur 20 Millionen für die Radfahrer? Das möchten wir ändern!“ Ich möchte laut grölend applaudieren!

Vorbei an Velo de Ville – dort gibt es auch diverse Konfigurationsmöglichkeiten für allerlei Räder – und Bonvelo, stoßen wir auf den Stand von alsterspeiche, Maxcycles und Schindelhauer. Wow, Schindelhauer. Auf Maß gebaute Urban-Bikes mit Pinion-Getriebe. Sündhaft teuer. Ich traue mich nicht, eins der Räder zu berühren.

Direkt dahinter, Hermann Hartje. Auch dabei die Marken i:SY und Contoura. Ich starre auf das Modell Brandmeister mit Rohloff-Schaltung. Tolles Bike, mit dem man auch locker mehrere Wochen Radurlaub machen könnte. Und kostspielig.

Viele kleinere Stände bieten allerhand Zubehör, von Körben über Schlösser bis hin zu Sätteln und Helmen.

Alles in allem sehr edel, die Messe. Aber habe ich nun mein Wunschrad gesehen? Hmm… Traumbikes bestimmt. Aber möchte ich mir ein Alltagsrad zulegen, das locker den Preis von Rennrad und Crosser zusammen hat? Ich muss nochmal eine Kosten/Nutzen-Rechnung durchführen.

Zusammenfassend stelle ich fest, dass das Wort „Fahrrad“ viel mehr bedeutet, als nur ein Diamant-Rahmen mit zwei Laufrädern, Lenker, Kurbel, Kette und Sattel. Die Fahrradindustrie möchte keine Nische mehr auslassen, die sich auftut. Den Trends folgen, innovativ sein. Das zeigt die überwiegende Anzahl der E-Bikes unter den präsentierten Rädern. Mountainbikes, Rennräder, Trekkingräder, Citybikes. Alles bekommt eine Batterie und Motor verpasst. Natürlich verstehe ich, dass gewisse Zielgruppen so ein Maß an Mobilität zurückgewinnen können. Aber war Radfahren nicht immer die umweltfreundliche Alternative zum Auto? Was passiert denn mit all dem Müll, den die Akkus durch ihre begrenzte Lebensdauer verursachen? Ein Widerspruch, wie ich finde. Auch ist mir klar, dass eine kleine Familie in einer Großstadt sich lieber ein Lastenrad anstelle eines Autos zulegt. Die Dinger sind halt praktisch, und teuer. Und was ist dazwischen? Dazwischen sollte sich doch irgendwo das normale Fahrrad befinden!? Gefühlt wird es aber zunehmend ein Luxusgegenstand. Ein Statussymbol, das nicht exklusiv genug sein kann. Die diversen kleinen Manufakturen, die selbstverständlich ein Höchstmaß an Qualität garantieren, lassen sich diese auch gut bezahlen, sofern man nicht etwas von der Stange kaufen möchte.

Ach, und wo waren die Hipster? Wo waren sie bloß!? War ich enttäuscht deswegen? Hmm…

 

 





Veröffentlicht am:
01:04:12 22.05.2017


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Ankündigungen

Stevens Super Prestige CycloCross zu verk.
Siehe Flohmarkt.




 
Termine
Erfolge

Deutscher Meister 1-er Straße
2010 - Felix Rieckmann (U19)

Deutscher Crossmeister 2010
Jannick Geisler (U19)

Deutscher Crossmeister 2009
Felix Rieckmann (U17)

Deutscher Crossmeister 2007
Julian Lehmann (U15)

Deutscher Crossmeister 2006
Jannick Geisler (U15) 


2. Platz DM Cross 2016
Jasper Pahlke (U15) 

2. Platz DM Cross 2013
Jannick Geisler (U23, MLP)

3. Platz DM Cross 2015
Louis Lex (U15)

3. Platz DM Cross Lorsch 2011
Julian Lehmann (U19)

3. Platz DM 4er-Mann-
schaftszeitfahren 2009 (U17)

3. Platz DM Cross 2007
Felix Rieckmann (U15)

4. Platz DM Straße 2007
Felix Rieckmann (U15)

5. Platz DM Cross 2015
Moritz Plambeck (U15)

5. Platz DM Cross Döhlau 2014
Lauritz Urnauer (U19)

5. Platz DM Cross 2009
Julian Lehmann (U17)

5. Platz DM Cross 2009
Jannick Geisler (U19)

5. Platz DM Cross 2007
Jannick Geisler (U17)

6. Platz DM Cross 2016
Jannick Geisler (Elite)

6. Platz DM Cross 2014
Jannick Geisler (U23)

6. Platz DM 4er-Mannschaft 2006 (U15)

7. Platz DM Cross 2016
Lucas Carstensen (U23, KED)

7. Platz DM Cross 2015
Lauritz Urnauer (U19)

7. Platz DM Cross 2012
Julian Lehmann (U23)

7. Platz DM Cross Lorsch 2011
Jannick Geisler (U23) 

8. Platz DM Cross 2015
Stephan Warda (Sen3)

8. Platz DM Cross 2006
Matthias Heine (U15)

9. Platz DM Cross 2016
Stephan Warda (Sen) 

9. Platz DM Cross 2012
Lucas Carstensen (U19)

9. Platz DM Cross 2012
Jannick Geisler (U23, Heizomat) 

10. Platz DM Cross 2015
Jannick Geisler (Elite)

10. Platz DM Cross 2014
Lucas Carstensen (U23)