drucken | schliessen
Harburger Radsport Gemeinschaft v. 1951 e. V.

25. Regionem Orlicka 2011- Juniorenetappenrennen in Tschechien

Hier folgt noch ein zweiter Bericht, diesmal von Marti Richter, unserem dritten Juniorenfahrer aus Lüneburg:

"Meine zweite Rundfahrt stand an, die 25. Regionem Orlicka im tschechischen Lanskroun. Was ich von den Jungs bisher darüber hörte, war vor allem eine Menge Spaß und Berge. Dass diese beiden nicht zwangsläufig miteinander zu tun hatten, ist fast schon klar. Nachdem ich schon Mitte Mai in Holland bei einer Rundfahrt war, die ich auf der dritten Etappe beenden musste, weil ich rausgenommen wurde, war mein Hauptziel, diesmal alle vier Etappen durchzufahren. Was mich beeindruckte war, dass unsere Unterkunft (es war wirklich nicht mehr als ein Zimmer mit Bett und Dusche) der guten Stimmung nicht schadete. Ich war einfach jeden Tag so glücklich, die Etappe erfolgreich überstanden zu haben, dass ich eh nur noch schlafen wollte, da hat man dann kein Auge mehr für die Absteige.

Das Fahren in Tschechien hat sehr viel Spaß gemacht, ich habe schnell Gefallen gefunden an internationalen Rennen. Ein Phänomen, was ich dabei immer bei mir beobachte ist, dass ich im Rennen ständig Selbstgespräche führe... auf Englisch. Wieso auf Englisch weiß ich zwar auch nicht, aber es hilft mir, mich zu motivieren. Die erste Etappe war eigentlich recht einfach, sieben mal über eine elf
Kilometer lange Runde, am Ende immer ein Berg. Dennoch hatte ich echt viel Respekt und wollte nur im Zeitlimit ankommen. Tosan meinte vorher zu mir, ich werde schon merken, an welchen Stellen der Strecke das Feld immer wieder zusammenläuft. Und tatsächlich, es funktionierte. So machte ich mir während des Rennens Gedanken über das Verhalten des Feldes, achtete auf Geschwindigkeitsänderungen und wer noch so alles am Ende des Feldes fuhr. Eigentlich soll man ja immer vorne fahren, doch ich fühlte mich hinten schon ganz gut und bin immer prima mitgekommen. Schnell wurde mir klar, dass ich nicht nur im Zeitlimit ankommen werde, sondern im Feld. So war ich na 77 Kilometern einfach nur überglücklich, alles heile und gut überstanden zu haben. Zwei Tage später sollte ich mich ärgern, dass ich auf dem letzten Kilometer nicht vorne war oder vorher angegriffen habe, denn im Vergleich zu den kommenden Etappen war die erste wirklich ein Kinderspiel, aber das weiß man ja auch immer erst nachher.
Die zweite Etappe war unspektakulär, ein knapp zehn Kilometer langes Einzelzeitfahren. Erwartungen hatte ich nur an die Karenzzeit, sonst wurde mir geraten, Kraft für den Nachmittag zu sparen. Am Ende stand ein Schnitt von 39 km/h auf meinem Garmin. Nicht sonderlich toll, aber völlig ausreichend, um meine Mission zu erfüllen.

Der Nachmittag, die dritte Etappe. Ich hatte erwartet, dass wir alle harmonisch zusammenbleiben und mit guter Laune ins Rennen gehen. Da überraschte es mich schon sehr, dass Max und Tosan sich wegen eins Laufrades streiten mussten und erstmal angepisst von einander waren. Mich hat das, auch wenn ich die beiden recht gut kenne, schon beunruhigt, aber ok, die wissen schon, was sie machen. Die Etappe begann gleich mit einem Berg. Hier war es sehr wichtig, sich vorher warm zu fahren. 1,5 Kilometer vor der Bergwertung, eine Gruppe war da schon weg, fuhr ich an der Spitze des Feldes, wenigstens einmal ganz vorne, solange ich halt noch konnte. Mein Timing war perfekt – das eine Foto, das es von mir gibt bei dem Rennen, wurde in dieser Situation geschossen.

Doch um ehrlich zu sein, es tat echt weh, dort vorne zu fahren, und noch mehr, dort zu bleiben. 500 Meter später kamen mehr Fahrer nach vorne und erhöhten das Tempo, nun hatte ich wirklich zu kämpfen. Nach diesem Kraftakt fiel ich an einem der nächsten Anstiege ab, doch ich musste schnell feststellen, dass das gar nicht so schlecht war. Plötzlich ging der Himmel auf und es fing an, zu regnen. Na ja, zum Glück war ich nur noch mit einem anderen Fahrer unterwegs, und auf der schlechten Abfahrt war mir das ganz lieb. Wir fuhren ja alle kurz kurz, und dann fängt es an zu hageln. Ich hatte nur einen Gedanken im Kopf „Was machen wir hier eigentlich für einen Wahnsinn?!“. Und stürzen wollte ich auch nicht, schließlich wollte meine Freundin mich mal nicht übersät mit Schrammen und Wunden sehen. Daher war ich, so ironisch es auch klingen mag, echt froh, als es berghoch ging. Da konnte man wenigstens nicht stürzen (nur Max, der dabei auch noch von einer Wespe gestochen wurde). Das Schöne an Bergen, finde ich, ist, dass man ganz gut mit ihnen klarkommen kann, wenn man erstmal seinen Rhythmus gefunden hat. Und das hatte ich recht fix. So kurbelte ich konzentriert und kontinuierlich Richtung Ziel, einen Fahrer nach dem anderen überholend, bis 20 Kilometer vorm Ziel. Ab da ging's zusammen mit einem Tschechen weiter, dessen Betreuer am Straßenrand lebensrettende Cola dabei hatten. Auf Englisch unterhaltend,
machten wir uns auf die letzten Kilometer, um in der Karenzzeit zu bleiben. Wir funktionierten ganz gut zusammen, fuhren den selben Rhythmus, den ich echt nicht unterbrechen konnte, auch nicht, als ich
Lukas und Julian an einer miesen Steigung einholte und überholte. Wir hätten zusammen fahren können, aber das hätte mir den Rest gegeben, ich musste mein Tempo weiter durchdrücken. Mit 11 Minuten Rückstand im Ziel war ich wieder mal nur glücklich, ich glaube, so glücklich war ich noch nie nach einem Rennen. Ein wunderschöner Moment, die gefürchtete, 79 Kilometer lange Königsetappe erfolgreich zu beenden. Schnell noch duschen und dann schlafen, davor noch zum Abendessen, wo mir auch schon die Augen zufielen.

Nächster Morgen, früh aufstehen, antreten zur vierten und letzten Etappe. „Ja, da sind zwar auch Berge, aber die ist ganz einfach, längst nicht so schlimm wie gestern.“, hieß es. Anhand der 95 Kilometer Länge kamen mir schon leichte Zweifel, aber erstmal vertraute ich dem Urteil. Pustekuchen. Ich empfand die Etappe genauso schwer wie die vorige, wieder 11 Minuten Rückstand im Ziel bestätigten das. Doch grundsätzlich war die Etappe echt schön, ich habe mich dabei sehr wohl gefühlt. Nachdem ich anfangs noch am Ende des Feldes fuhr, bot sich die Gelegenheit, nach vorn zu fahren. Dort traf ich dann auf Max, der mir Anweisungen gab, wann ich welche Attacke mitgehen sollte. Es war ein herrliches Gefühl, sicher vorne im Feld zu fahren, das hat tatsächlich unheimlich viel Spaß gemacht. Den habe ich auch genossen, denn er währte nicht allzu lang. An einem Anstieg fielen Max und ich ab, zusammen mit einem Tschechen und einem Cottbusser. Zu viert kämpften wir uns ans Feld, hätte ich Max nicht mit dabei gehabt, hätte ich nie geglaubt, dass das noch geht. Ich war so fertig, absolut am Limit und dachte, das würde ich nicht schaffen. Doch es motivierte mich, wenigstens Max noch wieder ran zu fahren, danach würde bei mir eh nichts mehr gehen. Und wir schafften es wirklich, waren nach einer Rechtskurve (und langer, harter Jagd) wieder im Feld. Für einige Minuten konnten wir uns erholen, bevor die Ansage von Max kam, wieder nach vorne, der nächste Berg wartet. Natürlich waren wir nicht die einzigen, die nach vorne wollten, und diesmal kam ich nicht mehr so gut nach vorne. In der Mitte des Feldes nahm ich den Berg in Angriff, allein hinter dem Feld überquerte ich die Kuppe. Für mich war das Rennen gelaufen, nur noch ins Ziel, am besten in der Karenzzeit. In einer Dreiergruppe machten wir das auch möglich, und es waren immer noch 30 Kilometer mit sehr fiesen Anstiegen. Einfacher als die Königsetappe war dieser Tag sicher nicht.

Im Ziel war ich auch diesmal überglücklich. Mit der Rundfahrt verbinde ich vor allem Erleichterung, es geschafft zu haben und viele Glückshormone. Wir hatten meistens gute Stimmung und ich war nach dem Wochenende sehr stolz und zufrieden."

Marti Richter

Bericht von Frank Plambeck:

"Vom 12. - 14.08.2011 fand die Jubiläumsveranstaltung  "25. Regionem Orlicka 2011" in Lanskroun/Tschechien statt. Diese internationale Juniorenetappenfahrt mit 92 Teilnehmern aus Russland, Slowakei, Polen, Deutschland und Tschechien ging über 261 km, verteilt auf 4 Etappen, die teilweise durchs südliche Riesengebirge führten.

Bereits am Donnerstag trafen wir uns morgens bei unserem üblichen Bäcker.

Wir, das waren die acht Harburger Renner Tosan, Max, Marti, Julian, Felix, Lucas, Jannis und Basti und der Chauffer Frank. Mittags trafen wir uns dann auf der ersten Autobahnraststätte hinter Berlin mit unserem 2. Betreuer Bohumil Pavlicek, unserem Berliner Gastfahrer Marcel Bartsch von Eichhörnchen und dem Sohn des Veranstalters Michael, der als Radio Tour fungieren sollte. Vollgepackt bis unters Dach, mehr Platz hatten wir nicht, denn dann hätten wir noch mehr Interessenten mitnehmen können, fuhren wir von Hamburg bis Berlin im Regen bei ca. 13 ° C . Ab Dresden hatten wir Sonne und bereits 24 ° und Nahe Prag  28 ° C. Gegen 19.00 kamen wir schließlich im 900 km entfernten sonnigen Lanskroun an. Abends haben wir dann ein Menü für 1300 Kronen (52 € für alle zusammen) zu uns genommen bevor wir unsere Zimmer im Internat der Gewerbeschule bezogen haben. Bis nach Lanskroun hatten wir etwa 6 mal die Elbe überquert. Das letzte Mal in Hradeck Kralowe, ca. 80 km vom Rennort entfernt.

Freitag gings dann mit der ersten Etappe los. Auf einer 7 mal zu fahrenden Runde über 77 km sollte es drei Bergwertungen und zwei Sprintwertungen geben. Für uns Flachlandtiroler galt die Strecke schon als bergig. Aber das war eine Täuschung, denn die folgenden Etappen waren um einiges schwerer und härter. Zum Rennen: Just in dem Moment, als Tosan einen Platten hatte, ging vorne die Post ab. Jannis und Max hatten aber aufgepasst. In der sich bildenden Verfolgertruppe waren sie dabei. Und in der nächsten Verfolgertruppe dann der nimmermüde Tosan. In der letzten Runde gings dann Schlag auf Schlag. Vorne fuhr alles zusammen. Diese 19 Fahrer teilten sich mehrfach, wobei das Hauptfeld dann Jannis nicht nur schluckte sondern auch stehen ließ. Ganz vorne dabei aber Max und Tosan. Tosan belegte den 6. und Max den 10. Rang. Felix hielt beim Spurt des Hauptfeldes mit rein und wurde schließlich 21. Alle anderen kamen im Feld an.

Freitag abend gab es dann einen Empfang bei der Bürgermeisterin. Sie begrüßte uns herzlich und freute sich, dass wir so zahlreich gekommen sind.

Schließlich sorgt seit 25 Jahren der ehemalige Polizeichef der Stadt als Clubmitglied für die Verkehrssicherheit und Genehmigungen für die Strecken.

Am Samstag hatten wir vormittags ein Zeitfahren über 9,2 km zu absolvieren.

Bis zur Wende gings teilweise auf 6 % igen Steigungen entlang. Trotzdem fuhr der Sieger einen Schnitt von über 49 km/h. Bester Harburger war Jannis Schröder als 17. mit 46 Sekunden Rückstand. Max wurde 24. und Tosan 26.

Nachmittags mussten wir zum Start ins 20 km entfernte Jablonne fahren. Bei bestem Wetter starteten wir ins Riesengebirge hinein. Diese über 79 km laufende Etappe sollte dann, wie sich später herausstellte, die Königsetappe werden. Über mehrere Wellen gings bis auf 900 m hoch und wieder runter. Kurz vor der vorletzten Bergwertung (die 4. von 5) fings dann auch noch an zu hageln, zu stürmen und zu regnen. Das Feld riss in tausend Grüppchen auseinander. Die größte Feld war die erste Gruppe mit 11 Fahrern. Felix fuhr stark und kam als 19. in der dritten Gruppe 1.41 min hinterm Sieger an. Tosan wurde 23. Große Moral bewies Marti. Er wurde ziemlich zeitig abgehängt und hatte dann Angst, aus der Karenzzeit zu fallen. Er kämpfte wacker und überholte einen nach dem anderen. Schließlich kam er als 52.  10,59 min hinterm Sieger an. Der Autobus kam 14.03 min hinterm Sieger an. 15 Fahrer verpassten das Limit und durften nicht mehr starten. Die Betreuer hatten, nachdem sie erst mal alle 9 Räder und 20 Laufräder gewaschen hatten, noch die dritte Teil(Pflicht-)etappe an diesem Tag zu bewältigen. Der Empfang der Sportlichen Leiter stand an.

Glücklicherweise mag ich ja kein Bier, keine Knödel und Schweinebraten und was sonst noch alles dazu gehört, um spät zu Bett zu gehen.

Am Sonntag hatte uns das gute Wetter wieder eingeholt. 5 Bergwertungen und

3 Sprintwertungen verteilt auf 96 km sollte es noch mal geben. Wie bei den Profis gings dann vom Start weg richtig zur Sache bis die richtige Gruppe stand. Jannis war wie immer dabei, denn schon nach 2 km fuhr er mit vier anderen Flüchtenden vorne weg. Nach 10 km kam dann noch Tosan dazu, der noch unter die ersten 10 kommen wollte. Schließlich hatten nach 45 km 17 Fahrer einen Maxvorsprung von 3 Minuten vor dem Feld mit dem Gelben Trikot.

Ab Kilometer 75 begann das Finale. Der bis dahin unermüdlich für Tosan rackernde Jannis fiel am vorletzten Berg erschöpft zurück, allerdings konnte er sich noch ne Cola ergattern. Am bis zu 18 % steilen Schlußanstieg zerfledderte dann die Spitze vollends. Drei Mann vorne und Tosan in einer Fünfergruppe dahinter. Aber auch das Feld machte mit allen Duklafahrern an der Spitze Tempo. Denn sie wollten den Spitzenreiter Daniel Turek von Favorit Brno noch aus dem Trikot fahren. Bis auf 1,08 min kamen sie noch heran. Während Tosan als 5. vorne schon ausrollen ließ, gewann Felix den Spurt der Verfolger und wurde 13. Der wieder genesene Julian wurde 17. und Basti 31.

Das Gesamtergebnis sah folgendermassen aus: Tosan belegte den 13. Rang und war 10. in der Punktewertung. Felix belegte den 25. Platz, Max den 28., Basti den 34., Julian wurde 42., Marti 56., Jannis und Lucas den 58. und 59. Rang. Die Mannschaft wurde 7.

Um 14.30 konnten wir den Heimweg antreten. Hitze und Sonne begleitete uns bis nach Dresden. Ab Berlin regnete es und in Hamburg, wo wir um 24.00 Uhr eintrafen, wars wie immer kalt und naß. Apropos: Kaum waren wir wieder in Hamburg, da erhielt ich die Nachricht aus Berlin, dass die Frau unseres tschechischen Freundes Michael ins Krankenhaus eingeliefert wurde. Gestern am 15.08.11 bekam sie Zwillinge. Herzlichen Glückwunsch nach Berlin."




Veröffentlicht am:
19:00:51 11.10.2011

URL: http://www.harburger-rg.de/?section=news&cmd=details&newsid=376&printview=1
© 2007 Harburger RG – Alle Rechte vorbehalten
drucken | schliessen