Harburger RG v. 1951 e.V. - erfolgreicher Radsport in Hamburg-Harburg



Bericht von Martin Lipicar von der 'Vtternrundfahrt 2010'

Hier der Bericht von Martin:

"September 2009:
Ein guter Freund der Familie erzählt mir von den Cyclassics und einer Rundtour in Schweden. Wovon er aber nicht erzählt, ist das Training und die Strapazen. Egal, ich bin Feuer und Flamme und will dabei sein, melde mich übers Internet an, aber irgendetwas fehlt: nämlich ALLES!.
Ich gehe los und kauf mir ein Fahrrad, diverse Klamotten und fahre meine ersten 50km am Deich. Ich fühle mich Super, aber auch etwas schlaff. Da ich schon einmal in Schweden war, weiß ich wie schön es dort ist und … da waren doch auch Berge, oder?.  Ich komme ins Grübeln..., habe ich mir das genau überlegt?

November - Januar 2010:
Das Wetter lässt es nicht zu Fahrrad zu fahren, nur dumm dass ich bereits angemeldet bin, das Geld bereits gezahlt habe und wieder grübel ich über diese Idee.

Februar – März 2010:
Das Wetter wird nicht besser, der Schnee bleibt liegen und mein Fahrrad in der Ecke stehen. Egal es gibt ja Ebay, also Rollentrainer gekauft und trainiert, und das vor dem brodelnden Kamin. Da lerne ich gleich aus der „Flasche zu trinken“.
Ende März, endlich ist der Schnee weg, ich kann wieder ein paar Kilometer fahren, aber was bleibt ist die Grübelei.

März - Juni 2006:
Ich habe mich nach einem guten Rat bei der Harburger Radsport-Gemeinschaft angemeldet, fahre regelmäßig RTFs und spule viele Kilometer alleine am Deich herunter. In den ersten Wochen fahre ich durchschnittlich 140km/Woche, später sind es 250 km/Woche und viel später bis zu 350 km/Woche. Was bleibt sind die Zweifel, wird es reichen?

   
17.-20.06.2010 Vätternrundan 2010
Abreise um 20.10 Uhr am Bahnhof Harburg mit zwei Reisebussen, die die Sportfreunde aus Stade organisiert haben. Diesbezüglich ein dickes Danke schön an Ingo aus Stade. Nebenbei nehmen wir noch ein paar Leute in Lübeck auf und dann geht es über Fehmarn – Dänemark nach Schweden. Gegen 07.30 Uhr treffen wir in der Jugendherberge ein, beziehen die Zimmer und frühstücken. Anschließend fahren wir mit einem Bus nach Motala zur Anmeldung, shoppen ein paar letzte Dinge und schauen die Niederlage gegen Serbien unserer Nationalmannschaft in einem amerikanischen Diner.

Wenn man bedenkt, dass ca. 20000 Teilnehmer gemeldet sind, dann geht alles sehr ruhig und organisiert zu, denn auf dem Markplatz werden die Startnummern ausgegeben. Hin und wieder regnet es etwas, hoffe aber, dass es kein schlechtes Omen für den nächsten Tag ist. Anschließend Rückfahrt, Lasagne-Essen wie die Großen und ab in die Heia.

19.06.2010 Mission Impossible
Gegen 02.00 Uhr klingeln alle möglichen Wecker im Zimmer. Ich werde immer nervöser, trotzdem anziehen, Müsli essen und die letzten Vorbereitungen treffen. Gegen 03.00 Uhr fahren wir dann endlich nach Motala. Auf der Fahrt dorthin kommen uns die vor uns gestarteten Fahrer entgegen, aufgereiht wie Perlen an einer Schnur leuchten ihre Lampen. Wir machen uns und unsere Räder fertig (Reifen aufpumpen, Tacho montieren, Wasserflaschen in die Halterungen) und fahren zum Startbereich. Dort riesige Menschenmengen!!! Aber tierisch ruhig und gelassen.
Seit 20.00 Uhr wird in Blöcken á 70 Fahrer gestartet. Man muss sich das so vorstellen:
20.00 Uhr Start-Nr. 1-70, 20.02 Uhr Nr. 71-140 usw. Das Ganze geht bis ca. 08.00 Uhr morgens. Kurz vor 09.00 Uhr starten die Fahrer, die unter 9 Stunden die Strecke schaffen wollen.
Ich habe die Startnummer 16133, bin also gegen 04.26 Uhr dran. Starte aber eine Gruppe früher mit einem Radler (Basti) aus Köln. Wollen es zusammen versuchen.


Km 0 Start Motala:
Mittlerweile ist es richtig hell. Wir gehen in unseren Startblock und schauen den anderen Fahrern zu, wie sie auf die Strecke geschickt werden. Um 04.25 Uhr ertönt das Startsignal. Eskortiert von zwei Harley's setzt sich unser Block in Bewegung. Am Ortsausgang verabschieden sich die Motorräder.
Vorgenommen habe ich mir im Schnitt 25 km/h zu fahren. Schnell aber entsteht eine Gruppe mit den Leuten aus Stade in der Führung, die mit 35-40 km/h in Richtung Ziel fahren. Basti und ich hängen uns ran und fahren die ersten Kilometer im Windschatten hinterher. Alles läuft bisher super. Immer wieder überholen wir Leute, die vor uns gestartet sind, das werden aber nicht die letzten bleiben. Hin und wieder sind wir mit in der Führung, egal Zähne zusammen und durch. Auf einmal kommt eine große Gruppe von hinten, fährt vor uns und wird langsamer. Die Ordnung ist kaputt und es entstehen viele kleine Gruppen. Die Leute aus Stade sind weg und wir müssen zunächst alleine fahren. Am Fahrbahnrand sieht man die ersten Fahrer mit Pannen. Es werden Reifen geflickt und wer weiß sonst noch was. Na Mahlzeit...hoffentlich geht bei uns alles gut.

Km 43 Depot Hästholmen:
Basti und ich haben uns verabredet, den ersten Verpflegungspunkt links liegen zu lassen und dran vorbei zu fahren. Wir fühlen uns gut. Wir müssen zwar alleine mit Hilfe eines Pommern-Fahrers vorne fahren, aber das bin ich vom alleine fahren am Deich gewohnt. Schlimmer ist, dass dunkle Wolken aufziehen und diese nicht nett aussehen. Ständig wechseln wir ab und fahren Tempo. Ganz schön mutig denke ich. Du hast noch gute 230km vor Dir und Du rast wie ein Bekloppter. Irgendwie schaffen wir es, die Gruppe hinter uns an eine vor uns heranzufahren und dann geht die Raserei wieder los. Prost Mahlzeit.

Km 80 Depot Gränna:
Zwei Becher Blaubeersuppe, zwei Brötchen und ein Stück Banane. Etwas gewöhnungsbedürftig, aber lecker. Kurz vor Jönköping gibt es eine sehr lange Abfahrt. Ich lasse mich nur rollen und fahre trotzdem fast 60 km/h. Zur rechten Seite liegt der Vätternsee, man schaut von oben hinab. Traumhaft schön. Basti und ich sind alleine, am Anstieg haben wir den Rest verloren, der irgendwo hinter uns ist. So fahren wir die letzten paar Meter alleine, auch mal schön.

Km 109 Depot Jönköping:
Ich traue meinen Augen nicht. Es ist eine riesige Halle, in der zig Bierzeltgarnituren aufgebaut worden sind, an denen Essen und Getränke ausgeschenkt werden. Hier gibt es außer den üblichen Getränken Milch, Hafergrütze, Bananen, Kartoffelpüree und die schwedischen Hackklöpschen. Bastis Lasagne vom Vortag will raus, also suche ich uns einen Platz zum Essen und er geht zum Dixi. Esse etwas Pü mit Klöpschen und trinke wieder zwei Becher Blaubeersuppe. Hoffentlich rächt sich das nicht irgendwann einmal.
Wir fahren gut gestärkt wieder los und warten auf einen Zug, der nicht lange auf sich warten lässt. Kurz nach Jönköping, ca. bei km 120, kommt eine Steigung. Mehrere Fahrer steigen ab und schieben. Dann passiert es, wir verlieren uns. Treffpunkt war Hjo. Aber irgendwie sucht Basti hinter sich nach mir, obwohl ich vor ihm bin und ich suche vor mir, obwohl er hinter mir ist. Fahre in einer Gruppe gemütlich mit circa 32 km/h übers Land, unterhalte mich mit einer Osnabrückerin, die seit Jahren in Schweden wohnt und dann kommt Basti in einer Gruppe von hinten mit circa 38 km/h an uns vorbei. Kurz noch Tschüssi sagen und nichts wie hinterher und alles war wieder gut.

Km 140 Depot Fagerhult (gegen 09:23 Uhr):
Wir lassen auch diesen Verpflegungspunkt aus. Sind zu diesem Zeitpunkt beide alleine gefahren und wollten uns ja in Hjo treffen.

Unterwegs stehen hin und wieder ein paar Zuschauer. Teilweise stehen sie mitten in der Prärie und feuern einen an. Genauso sieht man am Straßenrand immer wieder erschöpfte Fahrer liegen, die sich ein Mütze Schlaf gönnen oder den Blick über den schönen See genießen, oder welche die ihr Rad reparieren.
Überholen die ersten vierstelligen Nummern. Und dann kommt was kommen muss. Circa 15 km vor Hjo fängt es an zu Regnen und wie! Das Schlimmste daran ist, dass wir dem Regen hinterher fahren und nachdem wir unsere Regenjacken angezogen hatten, war unser „Zug“ weg. Also wieder alleine gegen den Rest der Welt. Und zum Überfluss zeigt Bastis Tacho nur noch die Aufforderung der Eingabe des Reifenumfanges an. Ab jetzt weicht er mir nicht mehr von der Seite und ich muss ihm die Geschwindigkeit und alles andere alle paar Meter ansagen. Egal, gleich kommt Hjo und warmes Essen.

KM 178 Depot Hjo:
Hier muss man sich wirklich merken, wo man sein Rad abstellt. Hunderte, gar tausende von Rädern stehen an Bäumen, Zäunen, Mauern oder was sonst noch gut zum Anlehnen ist. An den Dixi's ist die Hölle los. Lasagne, Salate, Blaubeersuppe usw. gibt es hier. Uns ist es so kalt, dass die Lasagne aufgrund unseres Zitterns von der Gabel rutscht.
Trotz Regen und Kälte gleich wieder weiter und versuchen sich warm zu fahren. Schnell finden wir wieder einen Zug und weiter geht es einige Rampen hoch und runter.



KM 210 Depot Karlsborg (gegen 12:10 Uhr):
Wir treffen ein paar bekannte Gesichter wieder. Essen und trinken schnell, ziehen unsere Regenjacke aus und weiter geht’s. Einige haben richtig Pech. Zig Schläuche mit Löchern, Baudenzug gerissen, sogar Kette gerissen und mit Auto bis zur nächsten Werkstatt.

KM 232 Depot Boviken:
Endlich, die Sonne scheint. Die Sachen werden wieder trocken, uns warm und nach ein paar Bechern Blaubeersuppe geht es weiter. Der Tacho zeigt immer wieder Geschwindigkeiten um 40 km/h an, ich staune über mich selbst. Dann die viel erwähnten Rampen bis nach Hammersundet. Sie sind kurz und knackig. Wir fahren zunächst alleine an vielen Fahrern vorbei, manche schieben, mache liegen und schlafen. Dann die Erlösung, eine Gruppe und los geht die Fahrt mit circa 40 km/h. Wo ist der Grundgedanke des Volksfestes, egal „mitpeiken“, um jeden Preis.

Km 259 Depot Hammarsundet:
Herrlich dieser grandiose Blick über den See mit seinen kleinen Inseln von der Hammersundetbrücke. Letzte Pause, Basti hat „leeren Kopf“ und die letzten paar Meter soll nun auch nichts mehr passieren. Horche immer wieder in mich hinein. Gott sei Dank - kein Ziepen, Schmerzen oder sonstiges. Fahren weiter, irgendwie sind die Speicher fast leer. Auch hier, eine Gruppe kommt, erstmal mitfahren, testen ob es gut geht. Mist, die sind zu langsam. An der Steigung fahren wir nach vorne weg und hoffen auf eine neue schnellere Gruppe von hinten. Und da kommt sie auch. Zu sechst fahren wir weiter und es läuft gut.

Km 279 Depot Medevi (gegen 14:35 Uhr):
Hier kehren nur noch wenige ein. Wir fahren aber weiter.
Anstatt den direkten Weg nach Motala zu fahren, werden wir nochmals umgeleitet. Durch einen Wald führen uns die letzten 20 km und ich habe den Anschein, die wollen gar nicht enden. Dann eine Gruppe von hinten und mit fast mörderischen 45 km/h fahren wir nach Motala rein. Doch was ist das. Von rechts kommt ein Volvo, übersieht mich als letzten in der Gruppe und ich muss nach links. Mist eine Verkehrsinsel. Links an ihr vorbei und auf einmal ein Schlag. Die rechte Pedale schlägt auf, hebelt mich aus, Gott sei Dank kein Sturz und die Gruppe ist weg. Nur Basti wartet auf mich und so fahren wir gemeinsam den letzten Kilometer und Händchenhaltend über die Ziellinie.

Km 300 Ziel Motala (299,37 km und gegen 15:15 Uhr):
Endlich Motala. Die letzten Kräfte werden mobilisiert. Das Ziel. Überall wird gejubelt, geklatscht und angefeuert.
Transponder abgeben, Medaille empfangen und ab zu dem Stand, wo es „oil“ gibt. Dort nehmen wir uns schnell zwei Bier, setzten uns auf die Mole und freuen uns über das Geschaffte und schmieden neue Pläne für das nächste Jahr.
Einschließlich Pausen waren wir gute 10:50 Stunden unterwegs, reine Fahrtzeit ca. 09:21:14 Stunden bei einer Fahr-Durchschnittsgeschwindigkeit von 32,01 km/h. Ich, nein, wir, sind stolz wie Oskar.


Fazit:
Die Vätternrundan ist ein perfekt durchorganisiertes Event. Gerade wenn man die Anzahl der Starter berücksichtigt. Man staunt über Wahl der Räder. Die Masse sind Rennräder, aber auch Tourenräder, Klappräder und Tandems sind auf der Strecke zu sehen. Außergewöhnlich einige Schwedinnen und Schweden, die mit ihren Hollandrädern über die Strecke fahren, einfach gigantisch und Hut ab. Auch wenn man wie ich alleine sich anmeldet und alleine nach Schweden fährt, man fährt nie alleine. Zu Smalltalks kommt es immer wieder und außerdem hatte ich Basti und Basti hatte mich.
Es war nicht meine letzte Vätternrundan!!!

PS: Ingo aus Stade bietet auch für 2011 Sitzplätze in zwei Bussen an. Von diesen 106 Plätzen waren bereits auf der Heimreise aus Schweden schon über 30 gebucht. Also wen es in den Fingern juckt, nicht zu lange nachdenken, sondern anmelden. Habe gehört, Lutz will mich nächstes Jahr begleiten. Na wer hat noch Lust??? Es lohnt sich wirklich."
                     




Veröffentlicht am:
02:16:59 02.08.2010


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Ankündigungen

Stevens Super Prestige CycloCross zu verk.
Siehe Flohmarkt.




 
Termine
Erfolge

Deutscher Meister 1-er Straße
2010 - Felix Rieckmann (U19)

Deutscher Crossmeister 2010
Jannick Geisler (U19)

Deutscher Crossmeister 2009
Felix Rieckmann (U17)

Deutscher Crossmeister 2007
Julian Lehmann (U15)

Deutscher Crossmeister 2006
Jannick Geisler (U15) 


2. Platz DM Cross 2016
Jasper Pahlke (U15) 

2. Platz DM Cross 2013
Jannick Geisler (U23, MLP)

3. Platz DM Cross 2015
Louis Lex (U15)

3. Platz DM Cross Lorsch 2011
Julian Lehmann (U19)

3. Platz DM 4er-Mann-
schaftszeitfahren 2009 (U17)

3. Platz DM Cross 2007
Felix Rieckmann (U15)

4. Platz DM Straße 2007
Felix Rieckmann (U15)

5. Platz DM Cross 2015
Moritz Plambeck (U15)

5. Platz DM Cross Döhlau 2014
Lauritz Urnauer (U19)

5. Platz DM Cross 2009
Julian Lehmann (U17)

5. Platz DM Cross 2009
Jannick Geisler (U19)

5. Platz DM Cross 2007
Jannick Geisler (U17)

6. Platz DM Cross 2016
Jannick Geisler (Elite)

6. Platz DM Cross 2014
Jannick Geisler (U23)

6. Platz DM 4er-Mannschaft 2006 (U15)

7. Platz DM Cross 2016
Lucas Carstensen (U23, KED)

7. Platz DM Cross 2015
Lauritz Urnauer (U19)

7. Platz DM Cross 2012
Julian Lehmann (U23)

7. Platz DM Cross Lorsch 2011
Jannick Geisler (U23) 

8. Platz DM Cross 2015
Stephan Warda (Sen3)

8. Platz DM Cross 2006
Matthias Heine (U15)

9. Platz DM Cross 2016
Stephan Warda (Sen) 

9. Platz DM Cross 2012
Lucas Carstensen (U19)

9. Platz DM Cross 2012
Jannick Geisler (U23, Heizomat) 

10. Platz DM Cross 2015
Jannick Geisler (Elite)

10. Platz DM Cross 2014
Lucas Carstensen (U23)