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Harburger Radsport Gemeinschaft v. 1951 e. V.

Jannick Geisler auf der Jagd nach Weltcup-Punkten

Ein Hitzkopf mit Talent

Der 16 Jahre alte Harburger behauptet sich in den Top-Rennen gegen die Elite des Radsport-Nachwuchses.

Von Norbert Scheid

Harburg -

Zuerst Tabor in Tschechien, letzte Woche die Europameisterschaft der Radcrosser im französischen Livien, am Sonntag der Weltcup in Pejnacker in Holland - für Jannick Geisler hat sozusagen die Lehrzeit im internationalen Rennsport begonnen. "Und die ist doch verdammt hart", fasst der 16-jährige Schüler des Alexander-von-Humboldt-Gymnasiums seine ersten Erfahrungen im richtig großen Rennsport zusammen. "Jannick muss sich jetzt gegen die stärksten europäischen Nachwuchstalente behaupten", ergänzt Vater Jürgen Geisler. "Und die sind wiederum die Besten der Welt."

Der kleine, ehrgeizige Junge von der Harburger Radsport-Gemeinschaft, der vor drei Jahren schon deutscher Schülermeister im Querfeldein-Rennsport war, ist von Bundestrainer Frank Brückner in den Nationalkader für die U19 berufen worden. Allerdings gibt es im Crosssport, der nicht olympisch ist, offiziell keine Nationalmannschaft. Dafür fehlt dem Bund Deutscher Radfahrer (BdR)das Geld. Die Zuschüsse vom Bund sind wegen der Doping-Skandale im Radsport schon zusammen gestrichen worden und sollen noch weiter gekürzt werden. "Von unserem nationalen Verband hat der Junge deshalb nur das Trikot mit den Deutschland-Farben bekommen", weist Frank Plambeck, Trainer und Sportwart der Harburger RG, mit Wut im Bauch darauf hin, dass die Jungen die Leidtragenden dieser Entwicklung sind. "Und das Trikot hat er nach der Europameisterschaft zurück geben müssen."

Nach Livien in der Nähe der französisch-belgischen Grenze hatten die Eltern ihren Sohn gefahren, wie auch zuvor schon zu seinem ersten Weltcup-Rennen im tschechischen Tabor. Dort war Jannick Geisler 31. geworden.

Bei der EM in Frankreich musste er erneut aus der letzten Reihe unter den 55. Teilnehmern starten. Der zähe Harburger hatte sich zwar bis auf Platz 25 vorgearbeitet, kam am Ende aber nur als 38. ins Ziel.

"Jannick war enttäuscht über sein Abschneiden", sagt der Vater. "Obwohl er als Neuling in der internationalen Szene mit seiner Leistung zufrieden sein darf."

Bei diesen Rennen wird sehr hart und ruppig gefahren. "Da zieht keiner die Bremsen", berichtet der 16-Jährige. "Freiwillig lässt dich da keiner vorbei."

Obwohl äußerlich immer ruhig und gelassen, weiß Jürgen Geisler. "Der Junge kann auch ein Hitzkopf sein. Der hat vor keinem Angst. Inzwischen machen ihm diese harten Rennen sogar richtig Spaß. Und sie motivieren ihn."

Vor allem auch, weil in Frankreich, Belgien und Holland bei diesen Cross-Rennen tausende Zuschauer die Strecke säumen und richtig für Stimmung sorgen.

Nach Holland wird Jannick an diesem Wochenende nicht von Vater und Mutter begleitet. Er reist mit den Assen vom "Stevens Racing-Team", für das er dann auch startet. "Sein großer Ehrgeiz ist, den ersten Weltcup-Punkt mit nach Hause zu bringen", verrät der Vater. "Dazu muss er unter die ersten 30 Sportler fahren."

Der letzte Weltcup wird ausgerechnet am zweiten Weihnachtstag gefahren. Am 26. Dezember aber pilgern die Harburger und Hamburger Radsport-Freunde seit Jahrzehnten zum traditionellen Weihnachts-Cross der Harburger Radsport-Gemeinschaft in die Haake. Da will der Junge aus dem Harburger Talentstall natürlich dabei sein. Dafür lässt Jannick Geisler dann den Weltcup sausen.

erschienen am 7. November 2008 im Hamburger Abendblatt/Harburger Rundschau

 




Veröffentlicht am:
19:13:00 07.11.2008

URL: http://www.harburger-rg.de/?section=news&cmd=details&newsid=174&printview=1
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