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Harburger Radsport Gemeinschaft v. 1951 e. V.

RV Elbe

RV Elbe

Natürlich hatte es auch schon in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts Radsportvereine in Harburg gegeben, z.B. den Arbeiter Rad- und Kraftfahrer Bund „Solidarität“ (s. Harburger Radsport vor 1945). Spätestens der 2. Weltkrieg bedeutete aber das Aus für diese Vereine.

Zu Beginn der 50iger Jahre regten Radrennfahrer aus den verschiedensten Hamburger Vereinen Botho Schröder (Hamburger Radsport Verband, HRV) dazu an, ein Radrennen mit dem Ziel der Gründung eines Radsportvereins zu veranstalten. Dieses Rennen wurde dann am 13.Juli 1951 in Harburg unter der Regie des HRV mit Carl Reher an der Spitze veranstaltet. Neben Lizenzfahrer starteten auch Jedermänner auf dem Rundkurs: Denickestraße (Start und Ziel), Thörl-, Haake- und Gazertstraße. Eine Runde betrug 1020 Meter, davon 650 Meter Steigungen. 10 000 Zuschauer fanden sich ein. Beim Rennen wurde per Lautsprecher für die sich anschließende Gründungsversammlung geworben. 14 Teilnehmer des Rennens trafen sich in der Gaststätte Otto Moje in der Wilstorfer Straße 113 zur Gründung des Radsportvereins Elbe Harburg (RV Elbe). Neben Jürgen Grabau, der übrigens 2. wurde, Herbert Herrmann und Werner Voß, traten auch alte Vorkriegsrennfahrer wie Wilhelm Lischke und H. Wischer dem Verein bei. Sie wählten Botho Schröder zum ersten und Herbert Herrmann zum zweiten Vorsitzenden.

Dank des Einsatzes von Botho Schröder und seiner sportlichen Verbindungen stieg die Mitgliederzahl des RV Elbe innerhalb von 1 ¼ Jahr auf 38 an und blieb auf diesem Niveau über lange Zeit konstant. Unter anderem traten die Brüder Heinz und Jürgen Baranski ein, die sich nicht nur mit ihren Rennerfolgen für den Verein als ein wichtiger Zuwachs erwiesen.

Als Mitglied des Betriebsrates der HOBUM (Harburger Oelwerke Brinkmann & Mergell) hatte Botho Schröder gute Kontakte zum Betriebsrat der Phoenix mit dessen Unterstützung er sich an die Werbeabteilung der Firma wandte. Dort fand man sich bereit, einen Silberpokal in Form einer Schale als Wanderpreis für ein Rundstreckenrennen zu stiften.

Dieses Rennen wurde ab 1952 als Großer PHOENIX Preis ausgetragen. Die Strecke entsprach der des Gründungsrennens. Es wurde um Sieg, Prämien und Preise gefahren. In die Siegerliste trugen sich unter anderem Albert Mussfeld, Benny Petersen, Richard Fischer, Helmut Saknus, Bernd Riemann, Hans Vorpahl, Andreas Troche und Jürgen Walter ein. Der Pokal ging nach seinem dritten Sieg in Reihenfolge endgültig in den Besitz von Jürgen Walter über. Als weitere sehr erfolgreiche Rennfahrer sind auch die Brüder Heinz und Jürgen Baranski zu nennen. Für die Rennen wurde mit Plakaten und Programmheften geworben, Umkleidemöglichkeiten zur Verfügung gestellt und durch Streckenabsperrungen für die Sicherheit der Fahrer gesorgt. Innerhalb der Absperrung gab es Sitzplätze für Ehrengäste.

Als Sponsor übernahm Phoenix die Druckkosten des Vereins und stellte unter anderem einen LKW zur Verfügung. Damals erlaubte der Amateurstatus im Sport es nicht, eine Firma im Vereinsnamen aufzunehmen. Vielleicht wäre sonst der RV Phoenix und nicht der RV Elbe gegründet worden. So blieb es dabei, dass Botho Schröder für die Vereinstrikots die Farben der Firma übernahm, blau und weiß, Auch das von ihm entworfene Logo des Vereins lehnte sich an dem Schriftzug der Phoenix an.

Nicht nur Phoenix, auch die Harburger Fahrradgeschäfte unterstützen den neuen Verein, z.B. Fahrräder Staufenbiel, Klemme, Fahrrad Brinkmann, Heinrich Volkmar & Sohn, um einige zu nennen. Sie setzten Inserate in die Programmhefte zu den Veranstaltungen, zum Teil zwei- bis dreiseitig, und warben ihrerseits bei ihren Zulieferfirmen um Unterstützung, z.B. bei Rixe, Rabeneick, Bauer, Kettler und Heumann. Darüber hinaus warben in den Heften auch Firmen wie Pepsi, die WEKA Kredit Bank, Raczka und Steinike+Weinlig mit ganzen und halben Seiten.

Dieser „Andrang“ an Sponsoren ist aus heutiger Sicht nur zu verstehen, wenn man liest, dass sich damals mehr als 10 000 begeisterte Zuschauer zu einem Rennen einfanden, die auch bereit waren, 20 Pfennige Eintritt zu bezahlen. Vergessen darf man auch nicht, dass in den 50iger Jahren das Fahrrad wichtigstes privates Verkehrsmittel war. Und, es waren Jahre einer teilweise fernsehlosen Zeit.

Außer dem Großen PHOENIX Preis richtete der RV Elbe Hamburger Meisterschaften auf der Straße und im Querfeldeinrennen aus und veranstaltete ein Aschenbahnrennen im Außenmühlestadion, bei dem die Lokalmatadoren Hermann und Voß viele Zuschauer anzogen. 1980 gelang es dem Verein auch, zum ersten Mal eine Deutsche Meisterschaft nach Harburg zu holen. Im Januar fand in den Harburger Bergen die Deutsche Meisterschaft der Querfeldeinfahrer statt, zu der sich 5 000 Zuschauer einfanden. Der Versuch, von ihnen Eintrittsgelder zu kassieren, scheiterte allerdings. Die Zeiten hatten sich geändert. Mit dem Weihnachtscrossrennen, das immer am 26.12. eines Jahres in der Harke stattfindet, begründete der RV Elbe auch eines der Harburger Traditionsrennen, das noch heute regelmäßig stattfindet.

Die vergleichsweise kleine Truppe von Rennfahrern des RV Elbe war unter den Hamburger und norddeutschen Rennfahrern als schlagfertig anerkannt. Neben vielen Hamburger Meisterschaften, der Hamburger Vizemeisterschaft 1954 und 55 im Vierer Mannschaftsfahren, starteten sie auch bei Rennen außerhalb von Hamburg und im Ausland, vorwiegend in Dänemark. 1968 wurde Jürgen Walter, der dreifache PHOENIX Preisträger, Deutscher Meister der A-Jugend. Und 1975 stellte der RV Elbe mit Volker Kassun den ersten Rennfahrer im Nationaltrikot aus Harburg. Ihm folgte noch im selben Jahr Norbert Strüver.

1955 gab Botho Schröder wegen beruflicher Belastungen den Vorsitz an Jürgen Baranski ab, der seinerseits 1961 von seinem Bruder Heinz abgelöst wurde. Heinz Baranski war dann 33 Jahre lang erster Vorsitzender, in Worten dreiunddreißig Jahre, das fordert schon eine ausdrückliche Erwähnung.

Fred Zimmat kam als Jugendfahrer zum RV Elbe. Selber ein erfolgreicher Rennfahrer, absolvierte er Trainerlehrgänge beim BRD und war der erste Trainer in Norddeutschland mit einer A- Lizenz. Als engagierter Landestrainer zog er viele Jugendliche in den Verein, Unter seiner Anleitung wurde z.B. 1978 in Unna bei der Deutschen Meisterschaft der Junioren (16 – 18 Jahre) ein fünfter und ein erster Platz eingefahren, der erste Platz von Frank Plambeck, dem heutigen Jugendtrainer der HRG.

Eine Anekdote zu Fred Zimmat: Wenn er beim Training mitbekam, dass zu viel geredet wurde, zog er solange das Tempo an, bis Ruhe herrschte.

Nebenbei betrieb er in seinem Keller einen „Hofladen“, in dem er an Vereinskameraden Rennmaterial verkaufte. Zusammen mit Heinz Baranski gründete er 1981 das „Fahrradcenter Harburg“ am Karnapp. 1991 zog es an die Ecke Küchgarten Schlossmühlendamm um. Fred Zimmat stieg aus der Firma aus und die Brüder Dircks wurden Teilhaber. 1994 übernahmen sie die Firma ganz, als Heinz Baranski aus gesundheitlichen Gründen in den Ruhestand ging. Sie entwickelten in der Folgezeit ihre eine eigene Fahrradmarke: TRENGA DE, und zogen an den Großmoorbogen um.

20 Jahre lang war der RV Elbe in erster Linie ein Radrennsport Verein. Allerdings ließ die Begeisterung für den Rennsport in den 60iger Jahren allmählich nach. Phoenix zog sich 1968/69 als Sponsor zurück und die Mitgliederzahlen des Vereins stagnierten um die 30 bis 40 Mitglieder. Um neue Mitglieder für den Verein zu werben, beteiligte er sich an der „Trimm Dich Aktion“ des Deutschen Sportbundes. Er richtete als erster Harburger Radsportverein am 20.6.1971 eine Volksradfahrt aus. Sie fand unter dem Slogan „Trimm dich fit – Fahr mal wieder Rad“ statt. Heinz Baranski konnte für die Organisation dieser Veranstaltungen den Vater eines der jungen Rennfahrer gewinnen, Karl Knote. Das Startgeld für die erste Volksradfahrt betrug für Jugendliche 2.-, für Erwachsene 3.- DM. Während die Erwachsenen eine 20 km lange Runde fahren mussten, reichte den Jugendlichen schon 10 km. Wer innerhalb der dafür großzügig bemessenen Zeit blieb, erhielt eine silberne Medaille. Für die jeweiligen Klassensieger gab es einen Pokal.

Karl Knote arbeitete bei Phoenix und ihm gelang es, die Firma erneut als Sponsor für den Verein zu gewinnen. Neben dem Pokal für die Volksradfahrten gab es Trainingsanzüge und Startgelder für die Rennfahrer. Als weitere Sponsoren für den Verein konnte er Hansano und Karstadt gewinnen. Dafür machte Heinz Baranski ihn zum Ehrenmitglied des Vereins. Und das ist er auch in der HRG geblieben, in der er auch noch als 80 Jähriger bis zu seinem Tode 2014 aktiv am Vereinsleben teilnahm. Sieben Mal richtete Karl Knote zusammen mit dem RV Elbe ein jährliches Volksradfahren aus, bei dem sich bis zu 600 Teilnehmer anmeldeten. Er selber nahm als aktiver Fahrer auch daran teil.

Beim Volksradfahren als Teil der „Trimm dich Aktion“ ging darum, über das Radfahren bisher eher unsportliche Menschen an sportliche Betätigung heranzuführen. Wem das nicht reichte, wer richtig sportlich fahren wollte, ohne gleich an Radrennen teilzunehmen, der konnte sich bei den RTF`s anmelden, von denen der RV Elbe zwei pro Jahr ausrichtete. Helfer des Vereins waren damit beschäftigt: Strecken auszuschildern, Verpflegungs- und Kontrollstationen einzurichten, beim Start Nummern gegen Teilnehmergebühren aushzugeben und sie auch dort dann wieder zurückzunehmen. Auch bei den RTF`s war Karl Knote als zuständiger Fachwart maßgeblich an ihrer Organisation beteiligt. Dem Faltblatt zu der Radtouren- und Trimmfahrt vom 23.8.1981 ist zu entnehmen, dass für die Teilnahme mit einer Erinnerungsurkunde und Erfrischungen, allerdings ohne Auszeichnung, 5.- DM zu entrichten waren. Wer dazu noch eine Auszeichnung in Form einer Urkunde wünschte, musste 10.- DM bezahlen. Start und Ziel war schon damals die Schule Lange Strieben in Harburg-Hausbruch. Heute wird eine der RTF`s unter dem Namen „Elbe Classic Tour“ von der HRG weitergeführt. Start und Ziel ist weiterhin die Schule Lange Striepen in Harburg-Hausbruch.

Um vor allem Kinder und Jugendlich als Mitglieder für den Verein zu gewinnen, richtete er ein Schülerrennen um den von Horst Bienek eingeworbenen Großen PEPSI Preis aus. Es wurde um die Rönneburger Schule ein ca. 900 m langer Rundkurs gefahren. Bis zu 400 Harburger SchülerInnen beteiligen sich an diesem Rennen. Der erhoffte Mitgliederzuwachs hielt sich dennoch in Grenzen. Allerdings wurden durch diese Veranstaltung die Brüder Fischer für den Vereine gewonnen, die im Bahnsport bei den Deutschen Meisterschaften erste Plätze belegten.

Der erhoffte Mitgliederzuwachs unter der Jugend kam aber erst so richtig in Gang, als der RV Elbe sich dem neuen Trend, Fahren mit BMX Rädern, öffnete. Er richtete eine entsprechende Sparte ein und legte sich eine große A-Bahn in der Hörstener Straße zu. In den folgenden Jahren nahmen die BMX Fahrer des RV Elbe sehr erfolgreich an überregionalen Wettbewerben in Deutschland und Europa teil. Die Mitgliederzahlen des Vereines stiegen auf über 120 an.

Anfangs wurde diese neue Sparte von allen Mitgliedern unterstützt. Es kam dann aber zu Auseinandersetzungen, die letztlich dazu führten, dass 1983 sieben Mitglieder aus dem RV Elbe austraten und einen eignen Verein gründeten, den Radsportclub City Harburg (RSC City).

Heute (Stand 31.12.2010) sind noch 11 ursprüngliche RV Elbe Mitglieder in der HRG.

 

norbert klecka  februar 2014


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