drucken | schliessen
Harburger Radsport Gemeinschaft v. 1951 e. V.

23. Sdharz-Radtourenfahrt (von Remo Balfanz)

Am Sonnabend, den 21. Mai rief mich Susanne gegen 21:00 Uhr an. Sie hatte ein leicht schlechtes Gewissen, denn der Grund ihres Anrufes war die RTF in Bad Lauterberg, welche am nächsten Tag stattfinden sollte. Es hatte sich eine Gruppe ausflugslustiger HRG’ler gefunden, die an dieser RTF teilnehmen wollten.

Diese Information kam doch etwas überraschend und ich brauchte ein paar Minuten zum Überlegen. So früh aufstehen; es sollte um 05:30 Uhr in Harburg losgehen. Meine Übersetzung; ich fahre ein 11-21er Paket – vielleicht nicht ganz passend für den Harz. Die lange An- und Abfahrt. Und: eigentlich hatte ich mir für Sonntag Nachmittag eine schöne ruhige Stunde auf dem Sofa vorgenommen. Aber warum eigentlich nicht, klingt doch irgendwie spaßig, dachte ich mir und meldete mich bei Sönke, unserem Fahrzeugführer, an.

Wie gesagt, um 05:30 Uhr Abmarsch in Harburg, kurzer Zwischenstopp in Egestorf – dort wurde ich aufgelesen – und ab ging die 250 km-Reise Richtung Süden. Mit an Bord waren: Sönke Brohmann, Karl Knote, Waldema Schmidt, Peter Prantsch, Sören Lassen, Holger Jönsson und ich, Remo Balfanz. Alle waren gut drauf und sicher, daß sich das gute Wetter mindestens bis zum Ende der RTF halten würde, was es auch tat. Ankunft planmäßig gegen acht und siehe da: wir waren nicht die ersten Rennradfahrer mit gelbem Trikot und der Aufschrift "HRG". Matthias Speicher nahm diesen RTF-Termin als Gelegenheit, um mit seinem Vater und Bekannten einige Tage im Harz zu verbringen und dort zu trainieren.

Insgesamt war die Harburger Radsportgemeinschaft also mit acht Mitgliedern vertreten. Bei einer Gesamtbeteiligung von etwa 300 Radsportlern (inklusive Marathon-Fahrern) lag der HRG-Anteil demnach bei 2,5 %. Und das bei diesem Anreiseweg!

Nach kurzer Ansprache durch Bürgermeister und Kirchenvertreter ging es dann kurz vor neun, etwa eine Stunde nach dem Marathonstart, los. Das Starterfeld, es gab nur eins, war aufgrund der Teilnehmerzahl doch ungewohnt übersichtlich. Selbiges galt dann auch für die Verpflegungs- und Kontrollstellen. Alles lief mit etwas mehr innerer Ruhe ab. Es war keine Nervosität und Hektik zu spüren.

Vier Mann von uns wollten von Anfang an die 80er-Runde fahren, die anderen die 115er, wobei Matthias und ich die Entscheidung für oder wider die große Runde auf der Strecke fällen wollten. Natürlich bildeten sich auch bei dieser RTF schnell entsprechende Leistungsgruppen, so daß auch die "HRG-Mannschaft" bald keine Mannschaft mehr war, zumal die kleine Runde sowieso gleich auf einer anderen Streckenführung gefahren werden mußte.

Matthias und ich waren relativ lange in der ersten, relativ großen Gruppe (etwa 30, vielleicht sogar mehr Fahrer). Das Tempo paßte während der ersten Stunde wunderbar. Die erste Verpflegungsstelle wurde ausgelassen; es lief einfach zu gut. Leider wurde nicht nur die erste Kontrolle überfahren, sondern auch die erste Streckenteilung zwischen der mittleren und der langen Runde. Hätte jemand die 150 km-Strecke fahren wollen, so hätte er die erste extra Schleife bereits nach ca. 15 km fahren müssen. Dies tat ich aus zwei Gründen nicht. Zum einen habe ich die Teilung total verpennt, da ich nicht so früh mit ihr rechnete und zum anderen wäre (zu mindestens aus der ersten Gruppe) kein anderer mitgefahren und auch ich bin als Mensch nun einmal ein Herdentier.

Kurz nach der ersten Kontrolle, etwa nach 35 bis 40 km, kam dann der erste lange und für uns aus dem Norden ungewohnte Anstieg über ca. sieben Kilometer. Zum Glück hielt sich die Steigungsrate in Grenzen und war über die gesamte Strecke relativ konstant, so daß ich mit meiner Übersetzung keine ernsthaften Schwierigkeiten bekam. "Einfach" möglichst stetig und mit gleichmäßiger Belastung von 90 bis 95 % der maximalen Herzfrequenz kurbeln. Und vor allem atmen, atmen, atmen ... Problem bei der ganzen Geschichte: ich wußte vorher nicht wie lang der Anstieg sein wird. Trotzdem oder vielleicht gerade deswegen kam ich sehr gut hoch, die Beine waren gut und von den Schmerzen merkt man nach einer Weile sowieso nichts mehr (na ja: ganz so war es leider doch nicht).

Allerdings riß die Gruppe an diesem Berg gewaltig auseinander und selbst an der zweiten Verpflegungsstation auf der ersten Spitze fanden keine größeren Gruppierungen mehr zusammen, so daß sich auch die HRG-Teilnehmer aus den Augen verloren. Ich selbst fuhr mit jemandem aus Göttingen weiter, der zu dieser Veranstaltung mit dem Rennrad anreiste (einfache Entfernung ca. 50 km!). Gemeinsam nahmen wir die nächsten Steigungen auf den folgenden 20 km in Angriff, wobei mein Kamerad schnell anfing zu schwächeln; aber absolut nachvollziehbar, nach 50 km extra und 95 kg, wenn auch durchtrainiertem Lebendgewicht (gegenüber 70 kg, die ich auf die Waage bringe).

Es folgte eine Abfahrt in die Ortschaft St. Andreasberg. Sehr rasant (Spitzengeschwindigkeit 78 km/h) und daher aufgrund des Verkehrs nicht ganz ungefährlich; zu mindestens dann, wenn man es rollen lassen wollte. Ein kleiner Anstieg und anschließend noch eine wunderschöne Abfahrt. Diesmal außerhalb der Ortschaft, dafür aber mit reichlich Serpentinen. Da die Kurven unbekannt und schwer einsehbar und die Straßen noch leicht feucht waren, mußte man auch hier bereit sein ein gewisses Risiko einzugehen, wenn man diesen Streckenteil ebenfalls optimal ausnutzen wollte was die Geschwindigkeit betraf.

Der Rest der Strecke war dann wieder weniger spektakulär und bot somit wieder deutlich mehr Gelegenheit die landschaftlichen Schönheiten dieser Gegend zu genießen. Eine negative Überraschung gab es zum Schluß der Ausfahrt leider noch. Die Streckenlänge der mittel langen Runde betrug nicht wie angekündigt 115 km, sondern lediglich 99,5 km, also 15 km weniger! Sicherlich ist man am Ende einer RTF im gewissen Sinne auch froh im Ziel angekommen zu sein. Aber 15 km? Zumal eine zusätzliche Schleife problemlos möglich gewesen wäre, z.B. die erste zusätzliche Schleife für die große Runde.

Nach und nach kamen alle HRG’ler wieder zusammen, erschöpft, aber hoch zufrieden mit der vollbrachten Leistung und angesichts des guten Wetters, der landschaftlichen Eindrücke, des ungewohnten Streckenprofils und natürlich der super Stimmung bis zum Ende der Rückfahrt noch ganz aufgeregt.

Thema Nummer eins nach der RTF: der Giro d’Italia und die Leistungen der Profis in den Bergetappen. Auch wenn unser Ausflug da nicht ganz mitkommt, sehen lassen kann er sich allemal: 100 km mit 1090 Höhenmetern und einer maximalen Steigung von 10 %. Hat man hier in der Hamburger-Gegend schließlich auch nicht jeden Tag.

Also, für die Beteiligten stand unterm Strich fest: das sollten wir auf jeden Fall öfters machen. Warum eigentlich nicht mal für ein paar Tage runter fahren? Matthias hatte dazu folgende Idee: mit dem Rennrad gemütlich im Grundlagenbereich anreisen. Der Vereinsbus könnte als "Besenwagen" oder als mobile Verpflegungsstation eingesetzt werden. Am Wochenende zwei RTF’s im Harz und am Montag oder Dienstag wieder zurück, ggf. wieder auf dem Rad. Wäre doch ein schöner Kurzurlaub bzw. ein prima "Kurztrainingslager", oder?


URL: http://www.harburger-rg.de/?page=213&printview=1
© 2007 Harburger RG – Alle Rechte vorbehalten
drucken | schliessen